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Sample-Fanatiker und Weltrekordhalter

Dass der Sampler sich durch den Hip-Hop der 80er Jahre zum eigenständigen Instrument entwickelt, welches sich genau wie die herkömmlichen Saiten- und Tastenkörper erlernen und performen lässt, fasziniert den Kalifornier Joshua Paul Davis schon früh und bildet später schließlich das Fundament seiner Produzentenkarriere – als Discjockey startet er Ende der 80er Jahre für das Campusradio seiner Universität in Davis. Inmitten der lokalen Szene findet man ihn als DJ Shadow hinter den Turntables sowie in den Plattenläden, wo er nach vergessenen Schätzen gräbt, um sie für seine genrefluiden Mixtapes als Samples zu verwenden. Bei Disneys Hip-Hop-Ableger Hollywood BASIC bekommt man Wind von ihm – DJ Shadow wird für eine Reihe an Remixes angeheuert. Und auch in London wird das Talent des jungen Sample-Fanatikers erkannt, die Trip-Hop-Wegbereiter beim Label Mo‘ Wax veröffentlichen seine Single In/Flux im Jahr 1993. Für die zweite Platte des kontroversen Kalifornier Rappers Paris steht er hinter den Turntables, auf seinen Solo-Produktionen sind Lyrics jedoch nur schwer zu finden: außer kurzen Sample-Einlagen und Wort-Versatzstücken lässt er die Musik für sich sprechen, Texte seien ihm „zu spezifisch“. Sein erster Langspieler Endtroducing… im Jahr 1996 beweist die Potenz dieses Konzeptes auf mal sentimentalen, mal mitreißenden, jederzeit einzigartigen Beats und bringt ihm sogar einen Guiness World Record für das „Erste Komplett Gesampelte Album“ ein.

Mit dem Gespür für das Kuriose

So wie Gitarristen und Pianisten mit ihrem jeweiligen Instrument ist DJ Shadow allein mit dem AKAI MPC60 ausgestattet. Die Single-Sammlung Preemptive Strike folgt 1998, und in prominenter Weise sorgt er kurz später auf der ersten Platte des Projektes UNKLE für allerlei tiefgehende Samples und Scratches – unter anderem Mike D von den Beastie Boys, Jason Newsted von Metallica und Thom Yorke von Radiohead sind hier auf den Shadow-Produktionen zu hören. Sein Name ist dabei Programm: die meisten kontemporären Beatmaker stellt er mit seinem Gespür für das Kuriose in den Schatten. „Ich mag es, wenn etwas einzigartig klingt“ – so simpel wie genial. Remixe von Songs der Bands U2 und Portishead stehen auf dem Programm, und inspiriert von der Hiphy-Bewegung in Oakland produziert er 2006 die LP The Outsider – für die Erkundung dieses neuen Terrains steckt Davis gleichermaßen Zuspruch und Kritik ein. Aber der DJ schaut stets in die Zukunft: „Endtroducing immerzu wiederholen? Das war niemals im Spielplan vorgesehen.“

Sounds wie Farben in der Palette

Gemeinsam mit Cut Chemist nimmt er 2007 während einer Probe das Mixtape The Hard Sell auf, womit die beiden im Folgejahr auf Tour gehen. Gewohnt vielseitig greift er dann 2011 mit seiner Solo-LP The Less You Know, The Better wieder einmal auf Samples der unterschiedlichsten Epochen und Genres zurück, die das Ganze zu einem zeitlosen Werk verknüpfen und zugleich die Geschwindigkeit moderner technologischer Entwicklungen hinterfragen, allem voran die Verbreitungswege von Musik im Netz. Weil das Experimentieren niemals aufhört, begibt sich DJ Shadow auf dem LP-Nachfolger The Mountain Will Fall ins Tal der Filmmusik, natürlich immer mit Hip-Hop-Anleihen und hier auch mit namhaften Gästen wie Run The Jewels und Nils Frahm. Our Pathetic Age im Jahr 2019 vereint dann die beiden Seiten des detailverliebten DJs: in der ersten Hälfte tobt er sich instrumental aus, die zweite Hälfte bildet ein Who’s Who der US-Rapstars, zu dem Nas, Inspectah Deck, Ghostface Killah, Raekwon, De La Soul, Pusha T und weitere ihren Teil beitragen. Der Sample-Gigant beschränkt sich bei seiner Arbeit allerdings nicht immer nur auf die klassische Art des Beatbauens: „Jede Art mit Sounds zu arbeiten, ist wie eine Farbe in meiner Palette.“ Verschiedene Farben sorgen für Schattierungen im Gesamtbild, und erst Elemente unterschiedlicher Disziplinen können ein Werk zeitlos machen. DJ Shadow macht dieses Handwerk zur Kunst.