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Archiv (ausverkauft)

Die Schlüsselfigur der 2000er

Earl Simmons a.k.a. DMX vereint alles, was es zum Rapsuperstar an der East Coast braucht: eine Stimme, die in ihrem rauen Ton aus der Masse heraussticht, ein gesundes Maß an Gangsterattitüde und die Street Credibility, die es sich in New York so hart zu erkämpfen gilt. Im Hip-Hop der 2000er Jahre spielt er eine Schlüsselrolle, und sogar auf dem Gipfel seines Erfolgs gerät er regelmäßig mit dem Gesetz in Konflikt. Der Rapper kommt 1970 in Mount Vernon zur Welt und wächst unter nicht gerade leichten Bedingungen auf: immer wieder erlebt er Gewalt im Elternhaus und lebt als Teenager sogar für einige Zeit auf der Straße, die Not treibt ihn in die Kriminalität. Schon früh verbringt er oft Monate im Gefängnis, und zugleich beginnt sein Interesse für den Hip-Hop, während er sich bei lokalen Shows als Beatboxer einen Namen macht: als Divine Master of the Unknown, kurz DMX, steigt er in Rapbattles ein. Das Magazin The Source berichtet über den Rapper in seiner Unsigned Hype Kolumne, und DMX bringt seine erste Single Born Loser heraus – kurz später findet er sich beim Labelgiganten Def Jam Recordings wieder. Dort wird 1998 nach Features mit Mase und LL Cool J seine Single Get At Me Dog an den Mann gebracht – die schafft es in die Top 40 der Billboard Charts und bereitet die Hip-Hop-Welt auf seine meisterhafte Debut-LP It’s Dark And Hell Is Hot vor.

Horrorcore und Straßenleben

Die Authentizität seiner Texte bleibt ungebrochen – die erste Platte verkauft sich gleich fünf Millionen mal und macht DMX innerhalb kürzester Zeit zu einer Schlüsselfigur des Gangstarap. Seine zweite Platte Flesh of My Flesh, Blood of My Blood erscheint sogar noch im selben Jahr und erreicht abermals Chartspitze sowie Platinumstatus. „I got blood on my hands and there’s no remorse“ – die Lyrics spiegeln Horrorcore wie Straßenleben, die Single Party Up (Up In Here) schafft es 2001 sogar bis zur Grammy-Nominierung. Zwischenzeitlich versucht der New Yorker sich als Schauspieler, und während er 1999 mit …And Then There Was X ganz nebenbei noch ein drittes Nummer-Eins-Album landet, reist DMX mit Jay-Z, Method Man und Redman auf der Hard Knock Life Tour durch die gesamten Vereinigten Staaten. Zugleich kommt er von der kriminellen Seite seiner Vergangenheit nur schwer los: Drogenbesitz, Raub, Fahren ohne Führerschein, Tierquälerei – die Liste ist lang und bringt den Rapper zeitweise von der Musik ab. Seinem Erfolg kann das allerdings kaum etwas anhaben: The Great Depression erweist sich als stilsichere Fortführung der DMX-Legacy und wird zum Hit.

Clubhits und Gangsterhymnen

Noch ehrlicher offenbart er die düsteren Aspekte seiner Persönlichkeit – nicht umsonst deutet er seinen Künstlernamen mittlerweile als Darkman X. Mit Grand Champ im Jahr 2003 erklärt der Straßenprediger dann plötzlich, er würde seine Karriere an den Nagel hängen. Und obwohl es musikalisch still um ihn wird, hört die Öffentlichkeit immer wieder von Straftaten und kurzen Gefängnisaufenthalten des Rapstars – 2006 erscheint mit Year of the Dog… Again doch wieder eine Platte, diesmal beim Major Columbia Records. Gleichzeitig prämiert beim BET-Sender seine eigene Serie DMX: Soul of a Man, welche seinen Alltag verfolgt, während der Rapper stetig an neuen Clubhits und Gangsterhymnen arbeitet. Als 2016 der Superhelden-Film Deadpool in die Kinos kommt, hört man den Track X Gon‘ Give It to Ya aus allen Richtungen schallen, und noch bevor es zu einer weiteren Platte kommen kann, hören seine Fans im April 2021 die traurige Nachricht, dass er durch einen Herzstillstand im Alter von gerade einmal 50 Jahren verstorben ist. Der Langspieler Exodus erscheint nur kurz danach und gilt als Abschiedsstatement: zurück bleiben einzigartige Tracks wie Bath Salts, die DMX als Legende des Hip-Hops zementieren.