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Von Hamburg in die Charts

Seine musikalische Karriere startet Jan Delay zusammen mit seiner Hamburger Rap-Crew Absolute Beginner, die 1996 mit ihrem ersten Album Flashnizm in die Szene platzt. Zwei Jahre später schafft das Trio seinen Durchbruch und setzt mit der zweiten Vinyl Bambule einen Deutschrap-Meilenstein – damit kreieren die drei den stilistischen Grundstein für eine ganz neue Generation an Rappern. Tracks wie Füchse oder Hammerhart sind mittlerweile vielfach zitierte Deutschrap-Klassiker, und obwohl die Absoluten Beginner heute nicht mehr an der Front des Genres stehen, ist ihr Einfluss unbestreitbar. „Jeder, den du kennst, kennt eine meiner Lines“ rappt Jan Delay auf Ahnma, und das könnte tatsächlich wahr sein. Seine typisch nasale Stimme und die lässig gesungenen Hooks sind bereits auf den frühen Releases zu hören, und der spielerische Ansatz der Crew spiegelt sich auch in der Experimentierfreudigkeit seiner kommenden Projekte wider. Gemeinsam mit dem Produzenten Tropf nimmt er 1998 sein erstes Tape unter dem Namen La Boom auf und vertreibt es über das kürzlich selbst gegründete Eimsbush-Label. Der Indie-Verlag gibt ihm und seinen Freunden aus der Hamburger Szene eine Plattform, muss aber sechs Jahre später bereits Insolvenz anmelden.

Gesellschaftskritik und gekonnte Coolness

Sein erster Hit, eine lässige Coverversion von Nenas Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann, startet 1999 seine Solo-Karriere. Jan Delays erstes Album Searching for the Jan Soul Rebels kommt im Reggae -Gewand daher und strotzt vor Sozialkritik. Der Musiker stellt gern mal nebenbei den Status quo infrage, gleich mit seiner ersten Single-Auskopplung Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt wehrt er sich gegen ein Mainstream-Publikum und Kleingeister. Die Mischung aus gekonnter Coolness und zeitkritischen Texten verleiht ihm dabei einen einzigartigen Charme, und sowieso tritt er nur mit Sonnenbrille auf. „Und die Sonnenbrille, sie ist am Start, Baby / Sie ist der letzte Rest Privatsphäre,“ rappt er später. Mit seiner Crew, die jetzt nur noch Beginner heißt, verschwindet er 2003 ein weiteres Mal im Studio und kehrt mit dem Erfolgsalbum Blast Action Heroes in die Deutschrap-Szene zurück – politisch und musikalisch versiert liefert das Trio einen würdigen Nachfolger für den Debut-Klassiker und verkauft damit mehr Platten als je zuvor. Auf Rap oder Reggae hat Jan Delay bei seiner nächsten Solo-Vinyl allerdings keine Lust mehr, stattdessen erreicht Mercedes Dance Nummer eins der Charts mit einer Mischung aus Funk, Soul und einer großen Portion Coolness. Begleitet von seiner Band Disko No. 1 klingt das auch live so groovy, dass der Hamburger die Platte nochmal als Bühnenversion rausbringt.

Vom Jackett zur Lederjacke

Die energiegeladenen Shows verschaffen ihm 2007 den zweiten Platz beim Bundesvision Song Contest, und mit seiner Vinyl Wir Kinder vom Bahnhof Soul geht er 2009 wieder auf die eins in den Charts. Die Single Oh Jonny wird schließlich zum nationalen Ohrwurm und einer seiner meistverkauften Tracks. Irgendwann reicht es mit Funk dann auch, und Jan Delay hat Bock auf Rock’n’Roll, wechselt das Outfit vom Jackett zur Lederjacke und eckt 2014 mit Hammer und Michel ordentlich in der Rockszene an. Das stört den polarisierenden Performer aber kaum, und zwei Jahre später setzt er sich wieder mit den Beginnern zusammen, um das lang erwartete Comeback-Album Advanced Chemistry aufzunehmen. Die Platte bildet eine Hommage an die 90er, und mit Ahnma schafft die Gruppe gemeinsam mit Gzuz ihren bisher erfolgreichsten Track. Mit seiner Solo-Single EULE geht Jan Delay jetzt mehr in Richtung Pop und läutet 2021 sein neues Album mit dem wortspielerischen Titel Earth, Wind & Feiern ein. Die Platte ist eine bunte Mischung aus allem, was den Hamburger bisher ausgemacht hat und was er am besten kann. Dabei sieht er seine Aufgabe ganz klar: „Ich möchte mich darüber freuen, wenn alle zu geiler Musik tanzen. Dann fühle ich mich gut, denn ich glaube, diese Unbeschwertheit würde aus vielen Leuten bessere Menschen machen.“