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Von Jazz-Beats und Superschurken

Es gibt nur wenige Platten, die den alternativen Hip-Hop so sehr verändert haben wie die erste und einzige des Duos Madvillain: die explosive Mischung aus MF DOOMs hypnotisch-assoziativen Lyrics und Madlibs virtuosen Jazz-Beats erschüttert im Jahr 2004 die Fassaden des Genres und gilt heute als oft imitiertes Meisterwerk. Von seinem cartoonhaften Superschurken-Konzept bis hin zum simplen wie düsteren Cover-Artwork, das uns durch die metallene Maske hindurch in MF DOOMs Augen schauen lässt – Madvillainy inspiriert eine neue Generation an Rappern und gilt zweifellos als Karrierehöhepunkt für die beiden Genrelegenden. Ihre Zusammenarbeit startet Anfang der 2000er Jahre, nachdem DOOM sich mit seinem Solodebut und DIY-Meisterstück Operation: Doomsday in der alternativen Szene einen Namen gemacht hat – Madlib hat zu diesem Zeitpunkt bereits für eine Reihe an respektierten Wortakrobaten hinter dem Sampler gesessen, nicht zuletzt für seine eigene Crew Lootpack. Vor und nach ihrer Arbeit als Kollaborateure verbindet die beiden das Erschaffen von Alter Egos, das Abtauchen in fiktionale Charaktere: Madlib pitcht seine Stimme und wird zum MC Quasimoto, und DOOM veröffentlicht Platten als King Geedorah und Viktor Vaughn, die verschiedene Rollen im Universum rund um den Superschurken MF DOOM spielen.

Marihuana und die Illusion der Zeit

Nachdem die beiden sich in Los Angeles kennengelernt haben, kommt die Arbeit für Madvillainy ins Rollen: Madlib produziert an die 100 Beatdemos, die DOOM zu seinen meistens frei-assoziativen Texten inspirieren – gesampelt wird das Ganze auf dem Boss SP-303, während die Lyrics in Madlibs Kellerstudio aufgenommen werden. „Wenn man zu viel darüber nachdenkt, wird es nicht funktionieren. Aber wenn man mit Gleichgesinnten zusammen ist, klappt es meistens“, meint Madlib, und ganz nach diesem Motto entsteht in kurzer Zeit eine Reihe an vielfältigen Tracks: Stücke wie Meat Grinder und All Caps kommen problemlos mit zehnsilbigen Reimen um die Ecke, während abwechselnd Themen wie die Vorzüge von Marihuana (America’s Most Blunted), die Illusion der Zeit (Shadows of Tomorrow) und Viktor Vaughns gebrochenes Herz (Fancy Clown) aufkeimen. Madvillainy wird zu einer divers angelegten Platte, die um den lyrisch allen überlegenen Antihelden DOOM kreist: „Know who’s the illest ever, like the greatest story told“. Die lyrische Kunstfertigkeit des Rappers trifft bei Madlibs unkonventionellen Beats auf fruchtbaren Boden, denn der Sample-Meister schafft es, auch die absurdesten Soundschnipsel in eingängige Instrumentalparts zu verwandeln – diese sind wie gewohnt so mitreißend, dass sie zum Beispiel beim Track Sickfit auch ohne Text funktionieren.

Poetisch, skurril, unvorhersehbar

Einige Demos des Projektes finden kurz später ihren Weg ins Internet – der illegale Leak entmutigt DOOM und Madlib, die Arbeit wird ausgesetzt und ihre jeweiligen Solobestreben haben 2003 Vorrang. Ein Jahr später erscheint die lang erwartete Platte dann endlich beim legendären Indielabel Stones Throw und sprengt alle Erwartungen – das Duo wird genreübergreifend nicht nur von eingefleischten Fans gefeiert. Poetisch, skurril und vor allem unvorhersehbar – auf Madvillainy ist nie ganz klar, mit welcher Pointe die beiden als nächstes überraschen. Denn wo ein Reim antizipiert wird, folgt ein ganz anderes Wort: „Spit so many verses, sometimes my jaw twitches / One thing this party could use is more … booze“. Dass es keine Refrains, keine Wiederholungen gibt, fühlt sich dabei nur natürlich an. Nach dem Albumerfolg wenden Madlib und DOOM sich wieder eigenen Projekten zu, bis mit Madvillainy 2 im Jahr 2008 ein Remixalbum von Madlib erscheint, das die ikonischen Tracks in neuem Beat-Gewand zeigt. Eine zweite Kollabo-Platte mit frischem Material ist ein Jahr später im Gespräch, doch die Arbeit zieht sich hin. Mit MF DOOMs Tod im Jahr 2020 findet das Projekt jedoch sein Ende – in den Herzen der Hip-Hop-Community lebt es allerdings weiter und besitzt auch heute noch Legendenstatus.