/
DE
Alle Artikel anzeigen
Alle anzeigen
Opio & The Architect Tajai & The Architect A-Plus & The Architect
Used Vinyl
Alle Artikel anzeigen
Alle anzeigen
Merchandise
Alle Artikel anzeigen
Alle anzeigen
Equipment
Alle Artikel anzeigen
Alle anzeigen
Print & Design
Alle Artikel anzeigen
Alle anzeigen
Archiv (ausverkauft)

Der West Coast weit voraus

Die kalifornischen Souls of Mischief sind dem Hip Hop der West Coast im Jahr 1993 weit voraus: während der Gangsta-Rap die Charts dominiert und in den Clubs vibriert, nimmt die junge Crew aus A-Plus, Phesto, Opio und Tajai ihr erstes Album 93 `til Infinity auf – eine Jazz und Funk basierte Platte, die es gerade einmal auf Platz 85 in den Charts schafft, über die folgenden Jahre aber einen pulsierenden Impact hinterlässt. Die Gruppenmember kennen sich bereits seit der Highschool und landen mit dem Titeltrack 93 `til Infinity auf dem Indie-Label Jive einen Untergrund-Hit, der bis heute schon unzählige Male von anderen Rappern gesampelt wurde. Die Souls of Mischief entscheiden sich statt dem üblichen Straßenrap für einen differenzierteren lyrischen Ansatz, und mit ihrem Debut ähneln sie dadurch eher East-Coast-Größen wie De La Soul und A Tribe Called Quest. Textliche Komplexität, facettenreiche Beats und eine diverse Themenpalette – die Crew bleibt damit zwar abseits des Mainstreams, erarbeitet sich allerdings eine treue Gefolgschaft. Außerdem ist sie Teil des Kollektivs Hieroglyphics, mit dem sie insgesamt drei Alben aufnimmt. Für viele zählt 93 ´till Infinity heute zu den essenziellen Rap-Alben der 90er.

Vom Untergrundhit zum Nischenerfolg

Nach dem Untergrunderfolg des Erstlingswerks sind die Erwartungen an die Souls of Mischief hoch, und für die gerade einmal 18 bis 19 Jahre alte Crew wäre es wohl ein leichtes gewesen, die Erfolgsmasche beizubehalten und ein funky-jazziges Duplikat von 93 auf die Beine zu stellen. Stattdessen markiert die zweite Platte No Man’s Land eine Abkehr von dem Stil, der die Gruppe vorher noch ins Radio gebracht hat, und die Souls of Mischief liefern ein raues, Battle-orientiertes und teils wütendes Album: das kostet sie einige ihrer Fans, in ihrer bleibenden Anhängerschaft wird das Werk jedoch als künstlerische Weiterentwicklung gefeiert. Wo vorher noch eine Art junger Naivität zutage trat, finden sich jetzt offensive Lyrics auf düsteren Beats, zusammengebastelt von den MCs selbst und ihren Hieroglyphics-Kollegen. Die musikalische Ambition der Rapper passt kaum noch zu ihrem Label: nach dem Release trennen sie sich von Jive und veröffentlichen die nächste Platte auf dem Hieroglyphics-eigenen Indie-Label, wo sie ihre kreativen Entscheidungen mit niemandem diskutieren müssen. Als exklusives Kassetten-Release bringen sie 1999 Focus über die eigene Website heraus und charten damit zwar nicht, feiern aber Erfolg in ihrer Nischenfanbase. Lyrisch sind sie den meisten anderen sowieso bereits überlegen, und noch immer East-Coast-inspiriert rappen sie sozio-politisch, diesmal vor allem über das Musikbusiness.

Legendenstatus abseits des Mainstreams

Gleich ein Jahr später erscheint der Nachfolger Trilogy: Conflict, Climax, Resolution. Die Reise in die Welt der düsteren Soundgefilde geht weiter, die Crew klingt, als wäre sie erwachsen geworden, und ernster. So roh wie noch nie zuvor, haben die Souls of Mischief sich mit dieser Platte vollständig von der „normalen“ Industrie abgekoppelt – sie machen jetzt ausschließlich Musik für ihre Fans und niemanden sonst, agieren in ihrem eigenen Hieroglyphics-Mikrokosmos. Und dort können sie sich vollends künstlerisch ausleben: ihr harter, roher Sound mündet mit der dreigeteilten Trilogy in einer einstündigen Sammlung an Battle-orientierten Tracks, die aufeinander aufbauen und atmosphärisch ihresgleichen suchen. Für die nächste Platte nehmen die vier sich ausreichend Zeit: Montezuma’s Revenge erscheint erst 2009. Angekündigt über den labeleigenen Podcast, holen die Souls of Mischief sich den renommierten Producer Prince Paul ins Boot, der für die Entstehung der Platte so wichtig ist, dass er sogar mit aufs Cover kommt. Die Beats des nächsten Werkes, There Is Only Now, werden dann von Adrian Younge übernommen, und auf dem 2014 erschienenen Konzeptalbum teilen die vier MCs das Mic mit Legenden wie Snoop Dogg, Busta Rhymes und Ali Shaheed Muhammad. Ihren Legendenstatus haben die Souls damit zementiert – abseits des Mainstreams und der Stadien, wo sie für das gefeiert werden, was sie sind.