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Zickzack Indierock | Alternative 1 Artikel

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Die Gruppe Oil - Naturtrüb HHV Exclusive Pink Vinyl Edition
Die Gruppe Oil
Naturtrüb HHV Exclusive Pink Vinyl Edition
2LP | 2020 | EU | Original (Zickzack)
25,99 €*
Release:2020 / EU – Original
Genre:Rock / Indie
All-Star Gruppe mit Gereon Klug, Maurice Summen, Reverend Ch. Dabeler und Mosh. Pinkes Farbvinyl, von der Gruppe Oil so ausgesucht für HHV Kunden.
Nur hier, limitiert auf 100 Stück.

Es soll hier bei null losgehen. Wie bei den zahlreichen Geschöpfen, die vor Millionen Jahren ihr Ende fanden, ins Sediment hinabfielen, um schließlich – in schleimiges fossiles Erdöl verwandelt - dem Kapitalismus beim Verbrennen der Erde behilflich sind. Denn an Pflanzenöl ist nicht zu denken, wenn OIL, die Band, ins Spiel kommt. An Funkenschlag nebst Entzündung dagegen schon. Denn OIL ist eine Band mit entflammbarem Material. Sorgfältig zusammengesetzt von vier Herren, die ihre Meriten verdienen in den Fächern Schallplatten, Schauspiel, Gastronomie, Comics und Verwirrungsschriften: Reverend Dabeler, Timur „Mosh“ Çirak, Gereon Klug, Maurice Summen.

Aber wir wollen ja bei null anfangen. Also: Die Musik? Lecker. Sandwich-Scheiben aus Funk werden - wahlweise oder alle zusammen – mit Gitarrenkrach, Blues-Disco und Fehlerelektronik belegt. Satte Orgeln sappschen sporadisch heraus. Attraktive Postpunk-Bässe halten den Laden zusammen. Könner der Garage? Herr Klug, der Schelm aus der großen Stadt, schickte mir zur Einstimmung das Bild zweier heruntergekommener Hütten im Nirgendwo von Schleswig-Holstein, um mich in die richtige Stimmung zu bringen, vermutlich. Denn es stimmt, das hier ist keine Garagen-Musik, noch nicht mal Carportmusik. Es ist Hüttenruinen-Musik mit Lichtorgel. Es zieht an allen Ecken durch die Ritzen. Tanzen gilt an solchen Orten manchmal als Strategie zum Knochenwärmen. Dann kann einem heiß werden. This is OIL, and not a PIL-Song!

OIL behandeln Themen, die auch Bewohnern im Kreis Rendsburg-Eckernförde unter den Wischfingern brennen. In der Reihenfolge ihres Erscheinens: Fracking, Menschwerdung, Porno. Hergeholtes Überselbstbewusstsein trifft auf Sofahocker mit Tchibo-Account und latenter Hass-Blase. Kommunikationsmittel sorgen für die Unmöglichkeit zu kommunizieren („Du ich meld mich später“). Yoko Ono wird durch die Sahnetorte gezogen, verklagt alles und jeden wegen allem und jedem. Dazu spielt dann eine Art freies Fluxus-Saxofon, als würde OIL kurz herüberwinken zu „Loud“, dem Können-Keinen-Freejazz-Spielen-Spielen-Ihn-Aber-Trotzdem-Meisterwerk der Do-It-Yourself-Könige Half Japanese. Nur eben ohne Free Jazz. Denn OIL wollen dich nicht verrenken, sondern tanzen sehen. Auch zu Tracks, die „Wichsbold“ oder „D.I.Y.“ (Mach's dir selbst) heißen.

Das Gute an OIL ist, dass sich die Musik trägt. Das Gute ist umgekehrt auch, dass sich die Texte tragen. Wie bei Helge Schneider, der für das Titelstück „Naturtrüb“ Pate gestanden haben könnte. Vielleicht war aber auch eher Captain Beefheart das Vorbild. Über einen Instrumentaltrack einfach drübersprechen, ein Strom galliger Anklage, „es kann doch nicht der Sinn von Musik sein, einfach nur zu jammen“ jammt die Musik zum großen Diss der doofen Erde, die Beefheart den „Golfball Gottes“ nannte: „Hey, Erde! Das ist einfach eine Underperformance, die du uns hier ablieferst!“. „Lass uns doch endlich mal losfliegen!“Und dann fliegt die Band tatsächlich los wie Donny Hathaways „The Ghetto“. Und das ist jetzt wirklich ganz ernsthaft und ohne Scherzkekserei echte Oberklasse!

- Werner Ahrensfeld

Wer mehr über den Fluss der Zeit, ölige Produktionsprozesse und inwiefern das alles mit Frank Zander und Dean Blunt zusammenhängt, erfahren möchte, der sollte den zeitgleich erscheinenden und gleichnamigen Roman lesen. Auch den gibt es bei HHV!
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